Preisträger 2023: Gérard Raulet

Gérard Raulet: Vierter Preisträger des Helmuth-Plessner-Preises

Im Jahr 2023 wurde Gérard Raulet, ein bedeutender französischer Philosoph und Experte für deutsche Ideengeschichte, mit dem Helmuth-Plessner-Preis ausgezeichnet. Raulet, geboren im August 1949, begann 1969 sein Studium an der École normale supérieure in Saint-Cloud. Nach seiner Ausbildung als Deutschlehrer (agrégé d’allemand, 1973) promovierte er 1981 in Philosophie an der Universität Paris I (Panthéon-Sorbonne) und habilitierte sich 1985 an der Universität Paris-Sorbonne. Bis 2020 lehrte er dort als Professor für deutsche Ideengeschichte. Sein Werk La philosophie allemande depuis 1945 (2006) gilt als Standardwerk zur deutschen Philosophie des 20. Jahrhunderts.


Von der Kritischen Theorie zur Philosophischen Anthropologie

Gérard Raulet begann seine akademische Laufbahn mit einem starken Fokus auf die Kritische Theorie, insbesondere auf die Werke von Habermas und Honneth. Ende der 1990er Jahre vollzog er jedoch eine Wende zur Philosophischen Anthropologie. Diese Veränderung wurde durch die Wiederentdeckung von Denkern wie Scheler und Plessner in Deutschland inspiriert. In seinem Buch La philosophie allemande widmete er ein zentrales Kapitel der L’anthropologie philosophique et la psychanalyse, in dem er Plessners Ideen erstmals dem französischen Publikum vorstellte.


Förderung der Philosophischen Anthropologie in Frankreich

Raulet spielte eine entscheidende Rolle bei der Etablierung der Philosophischen Anthropologie in Frankreich. Ab 2000 organisierte er ein mehrjähriges trilaterales Forschungsprojekt mit dem Titel L’anthropologie philosophique: ses origines et son avenir (Die philosophische Anthropologie: Herkunft und Zukunft). Dieses Projekt verband französische, italienische und deutsche Philosophen und erforschte die impliziten und expliziten Bezüge zwischen deutscher und französischer Philosophie.

Er zeigte Parallelen zwischen Plessners Ideen und denen von Denkern wie Bergson, Merleau-Ponty, Canguilhem und Deleuze auf. Diese Denkschulen verknüpfen lebendige Körper und ihre Umwelten auf nicht-reduktionistische und nicht-mechanistische Weise. Raulet trug so dazu bei, dass Plessners Ansätze in Frankreich und darüber hinaus öffentlich wahrgenommen wurden.


Publikationen und kritisches Potenzial

Parallel zu seiner Forschung initiierte Raulet die Buchreihe Philosophische Anthropologie – Themen und Positionen. In dieser Reihe veröffentlichte er 2020 seine eigenen Studien unter dem Titel Das kritische Potential der philosophischen Anthropologie. Mit diesen Arbeiten stärkte er die öffentliche Wahrnehmung der Philosophischen Anthropologie im romanischen Sprachraum und zeigte deren Relevanz für aktuelle philosophische und gesellschaftliche Debatten.


Preisverleihung und Begleitprogramm

Die Preisverleihung findet am Montag, den 4. September, im Wiesbadener Rathaus im Rahmen eines Festakts statt. Ergänzt wird die Veranstaltung durch einen Vortrag des Preisträgers, eine wissenschaftliche Tagung zu seinem Werk, einen Stadtspaziergang auf den Spuren Plessners und eine Diskussion mit Wiesbadener Schülerinnen und Schülern.

Pressemitteilung der Stadt Wiesbaden vom Februar 2023
Pressemitteilung der Stadt Wiesbaden vom Juli 2023

Die Feierstunde der Stadt Wiesbaden aus Anlass der Verleihung des Preises hat am 4. September 2023 stattgefunden.
Das Grußwort der Helmuth-Plessner-Gesellschaft finden Sie hier
Die Laudatio von Prof. Dr. Thomas Macho finden Sie hier
Den Festvortrag des Preisträgers Prof. Dr. Gérard Raulet finden Sie hier

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